Die Minderung der Miete

Ein Ratgeber zum Thema Mietminderung. Wann darf ein Mieter die Miete mindern, und um welchen Betrag? Wie geht er dabei am besten vor? Und mit welchen Folgen muss er rechnen?


Treten Probleme an der Wohnung auf, so ist es Aufgabe des Vermieters, diese zu beseitigen. Der Vermieter ist laut Gesetz dazu verpflichtet, die Wohnung in einem Zustand zu erhalten, der problemloses Wohnen ermöglicht. Tut er das nicht, so darf der Mieter die Miete für die Dauer der Beeinträchtigung mindern. Der folgende Ratgeber soll dem Mieter Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um das Thema Mietminderung geben.


WICHTIGER HINWEIS: Bitte beachten Sie, dass die Kanzlei Hollweck keine Beratung oder Vertretung im Mietrecht anbietet. Dieser Ratgeber wurde ausschließlich zu Ihrer Information erstellt. Bei Problemen im Bereich Mietrecht empfiehlt die Kanzlei Hollweck, zunächst den örtlichen Mieterverein oder die Verbraucherzentrale zu kontaktieren, da diese Institutionen eine sehr günstige und effektive Hilfe bei Mietrechtsproblemen anbieten können.


 

Warum habe ich als Mieter überhaupt das Recht, die Miete zu mindern?

 

Mit Abschluss des Mietvertrags erwerben Sie einen Anspruch auf Nutzung einer zu 100 Prozent tauglichen Wohnung. Hierfür zahlen Sie die laut Mietvertrag vereinbarte Miete. Tritt in der Wohnung nun ein Mangel auf, der die Wohnbarkeit einschränkt, so erhalten Sie, während der Mangel vorliegt, nur eine eingeschränkt nutzbare Wohnung. Dementsprechend wäre es ungerechtfertigt, wenn Sie weiterhin die volle Miete bezahlen müssten. Sie sollen nur für das bezahlen, was Sie tatsächlich erhalten. In diesem Fall mindern Sie die Miete und zahlen eine herabgesetzte Miete für eine eingeschränkt nutzbare Wohnung.

 

Wann darf ich als Mieter die Miete mindern?

 

Sie dürfen immer dann die Miete mindern, wenn ein Problem an Ihrer Mietwohnung auftaucht, das die Wohnqualität oder die Nutzung der Wohnung beeinträchtigt. Entscheidend ist, dass Sie das Problem nicht selbst schuldhaft verursacht haben und dass es noch nicht bei Einzug erkennbar war.

 

Ab welchem Zeitpunkt darf ich die Miete mindern?

 

Grundsätzlich dürfen Sie die Miete sofort mindern, sobald das Problem aufgetreten ist. Zwar ist es grundsätzlich empfehlenswert, den Vermieter zunächst um eine informelle Beseitigung des Mangels zu bitten, um mietrechtliche Streitigkeiten zu verhindern, dennoch hat der Mieter das Recht, ab Auftreten des Problems die Miete zu mindern.

 

Wie lange darf ich mit der Mängelanzeige und der Minderungsankündigung warten?

 

Tritt ein Mangel an Ihrer Mietwohnung auf, so sollten Sie diesen Mangel möglichst unverzüglich dem Vermieter anzeigen. Als Mieter sind Sie hierzu sogar gesetzlich verpflichtet. Zwar erfordert die Minderungsankündigung kein so schnelles Handeln wie die Mängelanzeige, jedoch sollten Sie auch hierbei nicht allzu lange abwarten. Denn je länger Sie abwarten, desto unwahrscheinlicher ist die Vermutung, dass Sie durch den Mangel in Ihrer Wohnqualität beeinträchtigt sind.

 

Ziehe ich den Minderungsbetrag von der Kaltmiete oder von der Warmmiete ab?

 

Die Minderung wird immer anhand der Warmmiete berechnet. Das heißt, Sie nehmen den Betrag, den Sie monatlich an den Vermieter bezahlen, also die gesamte Miete inklusive Nebenkosten und Heizkostenvorschuss. Zahlen Sie Ihre Heizkosten jedoch direkt an ein Versorgungsunternehmen, beispielsweise weil Sie eine Gasetagenheizung in Ihrer Wohnung haben, dann ist dieser Betrag nicht von der Minderung betroffen. In einem solchen Fall mindern Sie nur die "Bruttokaltmiete", also die Nettokaltmiete inklusive der Nebenkostenvorauszahlung.

 

Um welchen Betrag mindere ich die Miete?

 

Wie stark Sie die Miete mindern hängt davon ab, wie sehr Sie das Problem beeinträchtigt, das in Ihrer Wohnung vorhanden ist. Pauschale Aussagen zum konkreten Minderungsbetrag sind nicht möglich. Diese Entscheidung hängt immer vom jeweiligen Einzelfall ab und muss von Situation zu Situation anders bewertet werden.

 

Allgemein kann gesagt werden, dass der Minderungsbetrag um so höher sein darf, je stärker die Belastung ist. Als weiteres Kriterium tritt die Anzahl der betroffenen Räume bzw. Wohnfläche hinzu, als auch die Dauer der Einschränkungen. Dennoch urteilen die deutschen Gerichte höchst unterschiedlich, was die Höhe des genauen Minderungsbetrages betrifft. Eine einheitliche Linie ist hierbei nur schwer erkennbar. Umso wichtiger ist es, dass der Minderungsbetrag vom Mieter zunächst eher maßvoll festgelegt wird. 

 

In der Regel bietet sich die folgende Vorgehensweise an, um den konkreten und angemessenen Minderungsbetrag festzulegen: Vergleichen Sie den in Ihrer Wohnung vorliegenden Mangel mit denen aus früher ergangenen Gerichtsurteilen. Schauen Sie, um welchen Betrag in dieser vergleichbaren Situation gemindert wurde. Ziehen Sie diesen Prozentbetrag als eigenen Maßstab heran, aber wählen Sie für Ihre eigene Minderungserklärung einen etwas geringeren Betrag. Dann können Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass die von Ihnen ausgesprochene Minderungserklärung wirksam und angemessen ist.

 

Wie gehe ich als Mieter konkret vor, wenn ich die Miete mindern möchte?

 

Tritt ein Mangel an Ihrer Wohnung auf, der Sie zu einer Mietminderung berechtigt, so empfiehlt es sich, den Vermieter zunächst per Einschreiben mit Rückschein auf dieses Problem aufmerksam zu machen und ihn zur Behebung desselben aufzufordern. Beschreiben Sie den Mangel so genau wie möglich, teilen Sie dem Vermieter mit seit wann dieser besteht und inwiefern er die Wohnsituation beeinträchtigt. Setzen Sie ihm eine Frist, innerhalb der er dieses Problem beheben soll. Kündigen Sie an, dass Sie nach Ablauf der Frist die Miete um einen bestimmten Prozentbetrag mindern werden.

 

Natürlich haben Sie das Recht, bereits ab dem ersten Auftreten des Mangels die Miete zu mindern. Sie können in Ihrem Schreiben an den Vermieter diesem mitteilen, dass Sie ab sofort bzw. mit der nächsten Mietzahlung die Miete mindern werden. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass eine sofortige Mietminderung oftmals zu mietrechtlichen Streitigkeiten führt. Macht der Mieter etwas falsch bei der Minderung so kann das eher zu neuen Problemen führen als dass es alte Probleme löst. Auch wenn Sie als Mieter zur sofortigen Minderung berechtigt sind, so sollten Sie dennoch dem Vermieter zunächst eine Chance geben, den Mangel innerhalb einer angemessenen Frist zu beseitigen.

 

In vielen Fällen kann ein solches erstes Schreiben sogar per E-Mail oder per einfachem Brief an den Vermieter geschickt werden. Das ist für den Mieter am kostengünstigsten. Verlangen Sie für diesen Fall aber eine Bestätigung, dass der Vermieter Ihre E-Mail erhalten hat. Nur wenn der Vermieter nicht reagiert, sollten Sie das selbe Schreiben noch einmal per Einschreiben mit Rückschein verschicken.

 

Eine derartige E-Mail an den Vermieter könnte ungefähr wie folgt aussehen:

 

Absender:

(Vorname, Name Mieter)

(Straße, Hausnummer)

(Postleitzahl, Stadt)

 

An

(Vorname, Name Vermieter)

(Straße, Hausnummer)

(Postleitzahl, Stadt)

 

Mietobjekt: (Adresse und Lage der betroffenen Wohnung)

Mieternummer: (Ihr Mieternummer)

Betreff: Mängelanzeige gemäß § 536c BGB - Bitte um Reparatur/Ausbesserung

 

Sehr geehrter Herr (Name),

 

hiermit zeige ich Ihnen in dem obigen Mietobjekt den folgenden Mangel an: Seit ungefähr zwei Wochen befindet sich in der Küche unterhalb des Fensters ein großer Bereich mit Schimmel. Trotz ausreichender Belüftung des Raumes und der Verwendung von Schimmelentferner ist der Schimmel nicht verschwunden. Dadurch besteht die Gefahr, dass giftige Schimmelsporen meine Gesundheit schädigen können. Gerade in der Küche ist Schimmelbildung besonders bedenklich, da dort Lebensmittel aufbewahrt werden und Essen gekocht wird. Ich bitte Sie daher, bis zum (Datum, Fristsetzung von zwei Wochen) entsprechende Gegenmaßnahmen zu treffen, um den Schimmel vollständig zu beseitigen. Sollten Sie innerhalb der Frist nicht tätig werden, so würde ich die Miete um einen angemessenen Betrag mindern, bis das Problem behoben ist. Bitte bestätigen Sie mir den Erhalt dieser E-Mail.

 

Mit freundlichen Grüßen

(Vorname, Name)

(Ort, Datum)

 

Reagiert Ihr Vermieter nicht, oder weigert er sich den angesprochenen Mangel zu beheben, dann sollten Sie ihm ein zweites Schreiben per Einschreiben mit Rückschein zukommen lassen. In diesem zweiten Schreiben fordern Sie den Vermieter erneut auf, den Mangel in der Wohnung zu beseitigen und teilen dem Vermieter die Minderung der Miete mit. Schreiben Sie exakt ab wann und um wieviel Sie die Miete mindern werden.

 

Absender:

(Vorname, Name Mieter)

(Straße, Hausnummer)

(Postleitzahl, Stadt)

 

An

(Vorname, Name Vermieter)

(Straße, Hausnummer)

(Postleitzahl, Stadt)

 

Per Einschreiben mit Rückschein

 

Mietobjekt: (Adresse und Lage der betroffenen Wohnung)

Mieternummer: (Ihr Mieternummer)

Betreff: Mängelanzeige gemäß § 536c BGB und Mietminderung

 

Sehr geehrter Herr (Name),

 

leider haben Sie auf mein Schreiben vom (Datum) hin nicht reagiert (bzw. den Mietmangel nicht beheben können). Ich bitte Sie hiermit erneut, das bereits beschriebene Problem zu beheben. Hierzu setze ich Ihnen eine Frist bis zum (Datum, Fristsetzung von zwei Wochen).


Ich möchte Ihnen schon jetzt mitteilen, dass ich nach ergebnislosem Ablauf dieser Frist die Miete um 20 Prozent mindern werde. Meine jetzige Warmmiete inklusive Heizkostenvorschuss beträgt 536,00 EUR. 20 Prozent dieses Betrages sind 107,20 EUR. Um diesen Betrag mindere ich die Mietzahlung, so dass ich Ihnen dann lediglich 428,80 EUR überweisen werde. Diese Mietminderung halte ich bis zur vollständigen Beseitigung des Schimmels bei.

 

Mit freundlichen Grüßen

(Vorname, Name)

(Ort, Datum)

 

Im Idealfall ist ein solches zweites Aufforderungsschreiben gar nicht nötig, da der Vermieter bereits nach Erhalt des ersten Schreibens tätig geworden ist. Bemüht sich der Vermieter um eine Lösung des Problems, so sollten Sie im Sinne eines mietrechtlichen Friedens zunächst von einer Minderung absehen. Nur wenn sich die Reparaturarbeiten bzw. Ausbesserungsarbeiten ungewöhnlich lange in die Länge ziehen, oder wenn innerhalb einer überschaubaren Zeitspanne keine Lösung gefunden werden kann, dann sollten Sie trotz der Bemühungen Ihres Vermieters die Miete mindern. Denn Sie zahlen den vollen Mietpreis für eine 100 Prozent funktionstüchtige Wohnung. Ist diese Funktionstüchtigkeit eingeschränkt, so sind Sie nicht zur vollen Zahlung verpflichtet. Denn Sie erhalten ja schließlich nur einen Teil der "Leistung". Erst wenn die Wohnung wieder vollständig in Ordnung ist, sollten Sie die Mietminderung aufheben.

 

Bemüht sich also Ihr Vermieter um eine Lösung des Problems, bleibt er dabei aber zunächst erfolglos, so sollten Sie ihm dieses Schreiben zukommen lassen:

 

Absender:

(Vorname, Name Mieter)

(Straße, Hausnummer)

(Postleitzahl, Stadt)

 

An

(Vorname, Name Vermieter)

(Straße, Hausnummer)

(Postleitzahl, Stadt)

 

Per Einschreiben mit Rückschein

 

Mietobjekt: (Adresse und Lage der betroffenen Wohnung)

Mieternummer: (Ihr Mieternummer)

Betreff: Mietminderung

 

Sehr geehrter Herr (Name),

 

haben Sie vielen Dank, dass Sie bereits Maßnahmen ergriffen haben, um den Mangel in meiner Wohnung zu beseitigen. Leider blieben Ihre Bemühungen bislang erfolglos. Da durch den Mangel die Wohnungsnutzung dauerhaft eingeschränkt ist, kündige ich Ihnen hiermit eine Minderung der Miete an. Diese Mietminderung halte ich bis zur vollständigen Beseitigung des Mangels aufrecht. 


Ich werde die Miete um 20 Prozent mindern. Meine jetzige Warmmiete inklusive Heizkostenvorschuss beträgt 536,00 EUR. 20 Prozent dieses Betrages sind 107,20 EUR. Um diesen Betrag mindere ich die Mietzahlung, so dass ich Ihnen im nächsten Monat lediglich 428,80 EUR überweisen werde.

 

Mit freundlichen Grüßen

(Vorname, Name)

(Ort, Datum)

 

Halten Sie ein Auge darauf, welche weiteren Maßnahmen Ihr Vermieter unternimmt, um den Mangel zu beseitigen. In der Regel will der Vermieter das Problem schnell beseitigen, um wieder die volle Mietzahlung von Ihnen zu erhalten. Es sind jedoch auch Fälle bekannt, in denen der Vermieter zunächst einen Ausbesserungsversuch unternimmt, dann aber weitere Reparaturmaßnahmen einstellt und dies nicht einmal dem Mieter mitteilt. 

 

Verschlimmert sich das Problem in der Wohnung, so können Sie die Minderung dementsprechend verschärfen und den Minderungsbetrag erhöhen. Eine solche erneute Minderung müssen Sie wiederum schriftlich per Einschreiben mitteilen. Der folgende Musterbrief soll Ihnen zeigen, wie ein solches Schreiben aussehen könnte

 

Absender:

(Vorname, Name Mieter)

(Straße, Hausnummer)

(Postleitzahl, Stadt)

 

An

(Vorname, Name Vermieter)

(Straße, Hausnummer)

(Postleitzahl, Stadt)

 

Per Einschreiben mit Rückschein

 

Mietobjekt: (Adresse und Lage der betroffenen Wohnung)

Mieternummer: (Ihr Mieternummer)

Betreff: Weitere Mietminderung wegen Verschlimmerung des Mangels

 

Sehr geehrter Herr (Name),

 

leider hat sich der Schimmel in meiner Küche weiter verschlimmert. Zusätzlich ist nun auch das Bad betroffen. Dort befindet sich ebenfalls an der Wand unterhalb des Fensters ein großer Schimmelfleck. Ich möchte Sie bitten, die bereits begonnenen Beseitigungsmaßnahmen fortzuführen und in gleicher Weise gegen den Schimmel im Badezimmer vorzugehen. Der Schimmel in der Küche ist ebenfalls noch unverändert vorhanden.

 

Ich werde daher die Miete um weitere 20 Prozent mindern, insgesamt dann also um 40 Prozent. Meine jetzige Warmmiete inklusive Heizkostenvorschuss beträgt 536,00 EUR. 40 Prozent dieses Betrages sind 214,40 EUR. Um diesen Betrag mindere ich die Mietzahlung, so dass ich Ihnen im nächsten Monat lediglich 321,60 EUR überweisen werde.

 

Mit freundlichen Grüßen

(Vorname, Name)

(Ort, Datum)

 

Muss ich dem Vermieter die geminderte Miete nachzahlen, nachdem das Problem beseitigt ist?

 

Nein, eine Pflicht zur Nachzahlung besteht nicht. Sie dürfen den geminderten Betrag einbehalten. Das ist damit zu begründen, weil Sie in der Zeit, in der der Mangel in Ihrer Wohnung bestand, die Mietwohnung nur eingeschränkt nutzen konnten. Streng genommen haben Sie somit zu keinem Zeitpunkt weniger bezahlt, trotz der Mietminderung, sondern immer nur den jeweils angemessenen Betrag. Eine vermindert gebrauchsfähige Wohnung rechtfertigt auch nur eine verminderte Mietzahlung.

 

Wie beweise ich dem Vermieter, dass tatsächlich ein Problem in meiner Wohnung vorhanden ist, das eine Mietminderung rechtfertigt?

 

Sobald ein Mangel in Ihrer Wohnung auftritt, aufgrund dessen Sie die Miete mindern möchten, sollten Sie Beweise für das Vorliegen desselben sammeln. Fertigen Sie hierzu einige Fotos mit Ihrer Digitalkamera oder der Handykamera an und zeigen Sie den Mangel einer oder mehreren anderen Personen, die später als Zeugen auftreten könnten. Das kann auch der Partner bzw. Familienmitglieder sein. Wichtig ist, dass Sie später das Vorhandensein des Mangels zum Zeitpunkt der ersten Mietminderung beweisen können. Sind Beweise vorhanden, so kann das viel Ärger ersparen.

 

Darf ich bereits bei einem kleinen Mangel mindern?

 

Nein, handelt es sich lediglich um ein kleines Problem, so ist eine Minderung der Miete nicht gerechtfertigt. Ein geringer Mangel liegt immer dann vor, wenn die Gebrauchsfähigkeit der Wohnung nicht sonderlich beeinträchtigt ist. In der Regel sind das Kleinreparaturen und geringfügige Ausbesserungsarbeiten. Es ist schwierig, im voraus pauschal zu sagen, wann ein großer Mangel vorliegt und wann ein geringer. Hier ist regelmäßig eine Überprüfung des Einzelfalls notwendig.


Was ist zu tun, wenn es sich um einen besonders schweren Mangel handelt, der sofort behoben werden muss?

 

Ist der Schaden in Ihrer Wohnung besonders groß und eine sofortige Behebung dringend notwendig, so sollten Sie sich nicht lange mit Minderungsüberlegungen aufhalten, sondern sofort tätig werden. Das typische Beispiel ist der Rohrbruch am Wochenende. Eine Fristsetzung mit Minderungsandrohung ist hier sinnlos. Sie müssen sofort handeln. Ist der Vermieter nicht erreichbar, sind Sie zu einer "Ersatzvornahme" berechtigt. Das heißt, Sie dürfen ein Handwerkerunternehmen bzw. einen Reparaturnotdienst beauftragen, der den Mangel umgehend behebt. Die dadurch entstandenen Kosten muss der Vermieter bezahlen.

 

Kommt es bei der Minderung auf das Einverständnis des Vermieters an?

 

Nein, die Mietminderung dürfen Sie direkt aussprechen, ohne vorher das Einverständnis des Vermieters einzuholen. Die Erklärung der Minderung ist ohne die Zustimmung des Vermieters wirksam. Damit Sie später nachweisen können, dass Sie den Vermieter ordnungsgemäß über die Mietminderung informiert haben, empfiehlt sich die Zusendung Ihrer Minderungserklärung per Einschreiben mit Rückschein. Erst nachdem Sie die Mängel dem Vermieter mitgeteilt haben, sind Sie berechtigt, die Miete zu mindern. Dieser Mängelanzeige dient der Rückschein des Einschreibens als Nachweis des Zugangs beim Vermieter.

 

Kann der Vermieter das Recht auf Minderung im Mietvertrag einschränken?

 

Nein, dazu hat der Vermieter kein Recht. Stehen im Mietvertrag Einschränkungen in Bezug auf die Möglichkeit, die Miete wegen Mängeln zu mindern, so sind derartige Klauseln unwirksam und nichtig. Das gilt natürlich nur für vorgefertigte Mietverträge bzw. Formularmietverträge, auf die der Mieter keinen Einfluss nehmen kann. Haben Sie sich bei Abschluss des Mietvertrags gemeinsam mit dem Vermieter freiwillig auf eine andere Regelung geeinigt, so ist diese Sondervereinbarung in der Regel wirksam.

 

Was ist, wenn ich eine Mängelanzeige und eine Minderungsankündigung machen möchte, aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht den genauen Minderungsbetrag kenne?

 

In einem solchen Fall kündigen Sie dem Vermieter trotzdem die Minderung der Miete an, teilen aber mit, dass Sie den genauen Minderungsbetrag noch berechnen müssen und ihn dementsprechend später mitteilen. Anschließend nehmen Sie die kommenden Mietzahlungen unter dem "Vorbehalt der Minderung" vor und kürzen dann später die Miete um den errechneten Betrag. 

 

In welchen Fällen darf ich die Miete rückwirkend mindern?

 

Grundsätzlich ist die Minderung der Miete erst ab dem Zeitpunkt möglich, ab dem Sie den Vermieter durch Ihre Mietmängelanzeige über das Problem informiert haben. Denn erst ab dann hat der Vermieter überhaupt die Möglichkeit, den von Ihnen beschriebenen Mangel zu beseitigen und die drohende Mietminderung dadurch abzuwenden.

 

Es gibt jedoch eine Ausnahme: Wusste der Vermieter von Mängeln der Wohnung von Anfang an, hat er Ihnen diese jedoch verschwiegen, so sind Sie als Mieter dazu berechtigt, die Miete sogar nachträglich mit Rückwirkung in die Vergangenheit zu mindern. Kannte der Mieter beispielsweise schon bei Ihrem Einzug eine Schimmelbelastung in der Wohnung, ohne Ihnen diese mitzuteilen, so können Sie nach Kenntniserlangung dieser Schimmelbelastung die Miete rückwirkend ab dem Einzugsdatum mindern. Das gilt sogar dann, wenn Sie bereits aus dieser Wohnung wieder ausgezogen sind. 


In der Praxis ist es natürlich schwierig, das Wissen oder Nichtwissen des Vermieters nachzuweisen. Es ist in diesen Fällen genau zu überprüfen, ob der Vermieter den Mangel gekannt hat oder zumindest hätte kennen müssen.

 

Muss ich dem Vermieter mitteilen, wie ich den Minderungsbetrag berechnet habe?

 

Nein, Sie sind als Mieter nicht dazu verpflichtet, dem Vermieter Ihre Berechnungen in Bezug auf die Mietminderung mitzuteilen. Sie können aber in Ihrem Schreiben auf die aktuelle Rechtsprechung zum Mietminderungsrecht Bezug nehmen und sagen, dass Sie den von Ihnen gewählten Minderungsbetrag aufgrund ergangener Urteile in ähnlichen Fällen festgesetzt haben.

 

Droht mir die Kündigung, wenn ich eine Minderung ausspreche?

 

Nein, Ihnen droht auf keinen Fall die Kündigung, wenn Sie die Miete wegen eines Mangels berechtigterweise mindern. Der Vermieter muss das akzeptieren und darf das nicht als Kündigungsgrund heranziehen.

 

Eine Kündigung durch den Vermieter ist nur dann möglich, wenn Sie den Minderungsbetrag "schuldhaft" zu hoch angesetzt haben. Schuldhaft heißt, dass Sie fahrlässig oder sogar vorsätzlich einen geringen Mangel zu hoch eingestuft und den Minderungsbetrag deshalb zu hoch angesetzt haben.


Das wäre dann der Fall, wenn es sich um ein nur ganz unbedeutendes Problem in Ihrer Wohnung handelt, und Sie dennoch sehr stark die Miete mindern. Wenn dann mehr als zwei Monatsmieten an Rückständen auflaufen kann der Vermieter die Kündigung aussprechen. Liegt in Ihrer Wohnung aber ein Mangel vor, der Sie durchaus zu einer Minderung berechtigt, und setzen Sie den Minderungsbetrag maßvoll anhand früher ergangener Gerichtsurteile fest, so kann Ihnen der Vermieter keinesfalls kündigen.

 

Fühlen Sie sich sehr unsicher, so legen Sie die durch die Minderung eingesparte Miete einfach zur Seite. Kommt es später aufgrund der Mietminderung zu rechtlichen Streitigkeiten, so können Sie das eingesparte Geld noch immer nachträglich an den Vermieter überweisen, wenn Sie es nicht auf ein Klageverfahren vor Gericht ankommen lassen wollen.

 

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