Betrug mit Gewinnspielen

Ein Ratgeber zum Thema Betrug mit Gewinnspielen und der Gewinnspielmafia. Was ist zu tun, wenn unberechtigt Geld vom Konto abgebucht wurde?

Ratgeber von Rechtsanwalt Thomas Hollweck

 

 

Was ist die "Gewinnspielmafia"?

 

Als "Gewinnspielmafia" werden dubiose Unternehmen aus der Branche der Gewinnspiele bezeichnet, die Ihren "Kunden" angebliche Teilnahmeverträge an Gewinnspielen unterschieben. Dabei wird suggeriert, dass für eine gewisse monatliche Gebühr die Teilnahme an hunderten von Gewinnspielen ermöglicht wird, was angeblich die Chance auf einen Gewinn erheblich steigert. Natürlich ist das nur ein Vorwand für Abbuchungen auf dem Konto des Kunden. Tatsächlich gewinnen kann man bei diesen Gewinnspielfirmen nichts.

 

Wie gelangen die Gewinnspielunternehmen an ihre Kundschaft?

 

In der Regel erfolgt die Werbung von neuen Kunden für die Teilnahme an Gewinnspielen über das Telefon. Von einem Callcenter aus werden wahllos Telefonnummern in ganz Deutschland angerufen. Das Ziel der Callcenter-Mitarbeiter ist es, den Angerufenen einen Vertrag zur Teilnahme an einem Gewinnspiel unterzuschieben und von ihnen die Bankverbindung zu erfahren.

 

Können am Telefon tatsächlich wirksame Verträge über die Teilnahme an Gewinnspielen abgeschlossen werden?

 

Grundsätzlich können nach deutschem Recht Verträge mündlich abgeschlossen werden, ein telefonischer Vertragsschluss für ein Gewinnspiel ist daher möglich. In aller Regel kommt es bei den Telefonaten aber zu keinem echten Vertragsabschluss. Die Anrufer aus dem Callcenter versuchen lediglich, die Adressdaten (Name und Anschrift) sowie die Bankverbindung der angerufenen Personen in Erfahrung zu bringen. Sobald sie diese Informationen haben, werden unaufgefordert die Bestätigungen zu den angeblichen Gewinnspielverträgen verschickt und die monatliche Teilnahmegebühr für das Gewinnspiel vom Konto abgehoben.

 

Haben die Gewinnspielunternehmen mein Einverständnis für diese Werbeanrufe?

 

Nein, das haben die Gewinnspielfirmen natürlich nicht. Zwar geben sie in aller Regel an, dass sie ein Einverständnis von den angerufenen Opfern haben, doch ist das tatsächlich nicht der Fall. Es wird behauptet, dass die Angerufenen ihre Einverständniserklärung für ein Gewinnspiel beispielsweise auf Teilnahmekärtchen für Preisausschreiben angegeben haben. Derartige Teilnahmekarten finden sich bei Verlosungsaktionen im Supermarkt oder im Einkaufszentrum. Bei diesen Verlosungsaktionen geht es alleine darum, Adressen zu sammeln, um diese später für Werbezwecke zu nutzen oder um die gesammelten Daten für viel Geld auf CDs und DVDs weiterzuverkaufen. Da auf den Teilnahmekarten ein kleingeschriebener Vermerk steht, dass der Teilnehmer mit seiner Unterschrift bestätigt, mit der Weitergabe seiner Daten zu Werbezwecken einverstanden zu sein, geben die Datensammler rechtswidrig an, der potentielle Kunde habe doch sein Einverständnis für Werbebriefe und Werbeanrufe abgegeben.

 

Rechtlich gesehen ist die Sachlage natürlich eine andere: Damit ein Telefonanruf zu Werbezwecken rechtmäßig ist, muss die angerufene Person zuvor ausdrücklich ihr Einverständnis erklärt haben, dass ein ganz spezielles Unternehmen bei ihr anrufen darf. Es muss also immer eine konkrete Abmachung zwischen dem Angerufenen und dem Anrufer geben. Pauschale Einverständniserklärungen für Werbeanrufe sind nicht möglich und damit rechtswidrig.

 

Behauptet ein Gewinnspielunternehmen, dass es die Zustimmung oder das Einverständnis der angerufenen Person für Werbeanrufe in Bezug auf ein Gewinnspiel hat, so ist das in fast allen Fällen falsch.

 

Ich wurde angerufen, und der Mitarbeiter des Callcenters wusste bereits meinen Namen, meine Anschrift und meine Bankverbindung. Wie ist so etwas möglich?

 

Teilweise gelangen die Gewinnspielfirmen an CDs oder DVDs mit kompletten Datensätzen von Personen. Diese Datensätze enthalten die komplette Adresse, die Telefonnummer und die Bankverbindung einer Person. An diese Datensätze gelangen die Gewinnspielunternehmen natürlich auf illegalem Weg. Hier sammeln Mitarbeiter bzw. Angestellte von Banken, Telekommunikationsunternehmen oder Behörden diese Daten und verkaufen sie unter der Hand für viel Geld an beispielsweise Veranstalter von Gewinnspielen. Rechtmäßig ist das selbstverständlich nicht, verschafft den datensammelnden Personen aber einen lukrativen Nebenverdienst.


Kann man einen am Telefon abgeschlossenen Vertrag über die Teilnahme an einem Gewinnspiel widerrufen?

 

Ja, ein Widerruf des Gewinnspielvertrags ist bei dieser Art von telefonisch abgeschlossenen Verträgen möglich. Die Widerrufsfrist beträgt zwei Wochen. Diese Frist beginnt, sobald Sie eine deutlich gestaltete Widerrufserklärung erhalten haben. Geht Ihnen eine derartige Widerrufsbelehrung nicht zu, so haben Sie ein einjähriges Widerrufsrecht. Sie können Ihre Teilnahme an dem Gewinnspiel dann auch noch nach Monaten widerrufen.

 

Was soll ich tun, wenn ich die schriftliche Bestätigung eines angeblich am Telefon abgeschlossenen Vertrages über eine Gewinnspielteilnahme erhalten habe?

 

Wenden Sie sich ebenfalls schriftlich per Einschreiben mit Rückschein an das Gewinnspiel-Unternehmen, das Sie angeschrieben hat und teilen Sie diesem das folgende mit: "Die von Ihnen erhobene Forderung aus einem angeblich von mir abgeschlossenen Gewinnspielvertrag werde ich nicht bezahlen. Ich habe mit Ihnen keinen Vertrag über die Teilnahme an einem Gewinnspiel abgeschlossen. Hilfsweise erkläre ich Ihnen hiermit meinen Widerruf des angeblich abgeschlossenen Vertrages. Zusätzlich erkläre ich die Anfechtung wegen Täuschung. Bitte unterlassen Sie weitere Werbebriefe bzw. Rechnungen oder Mahnungen. Ich möchte an keinem Gewinnspiel teilnehmen." Machen Sie von Ihrem Brief eine Kopie und schicken sie ihn baldmöglichst an das Gewinnspielunternehmen.

 

Ich erhalte ständig Anrufe von weiteren Gewinnspielfirmen. Was kann ich gegen diese Anrufe tun?

 

Das Problem ist, dass die Gewinnspielfirmen die Adressen und Telefonnummern ihrer vermeintlichen Kunden untereinander weiterreichen bzw. eine Person betreibt gleichzeitig mehrere Gewinnspielunternehmen. Das Resultat ist, dass das Gewinnspiel-Opfer Anrufe nicht nur von einem Gewinnspielunternehmen erhält, sondern gleich von mehreren. Und es werden immer mehr stand weniger. Es sind Fälle bekannt, in denen das Telefon beinahe überhaupt nicht mehr aufhört zu läuten.


Was kann gegen diesen Telefonterror getan werden?


Die effektivste Methode ist die, sich eine neue Nummer von seiner Telefongesellschaft geben zu lassen und diese nicht mehr öffentlich bekannt zu machen, sondern nur im privaten Freundes- und Bekanntenkreis weiterzugeben. Wer das nicht möchte kauft sich am besten ein Telefon mit Nummerndisplay und Anrufbeantworter. So erkennt man sofort welche Nummer anruft und lässt bei unbekannten Telefonnummern immer erst den Anrufbeantworter abheben.

 

Mein Postkasten läuft über weil ich täglich viel zu viel Werbepost erhalte, meistens natürlich von den Gewinnspielfirmen. Was kann ich dagegen tun?

 

Bringen Sie zunächst einen Aufkleber "Bitte keine Werbung" auf Ihrem Briefkasten an. Das erspart Ihnen zumindest schon einmal die nicht-personalisierte Wurfpost. Gegen Werbebriefe, die direkt mit Ihrer Adresse versehen sind hilft nur ein schriftlicher Widerspruch gegen jede einzelne Absenderfirma.

 

Mehrere Gewinnspielunternehmen buchen inzwischen Geld von meinem Bankkonto ab. Was kann ich dagegen unternehmen?

 

Sobald Sie festgestellt haben, dass auf Ihrem Bankkonto eine unberechtigte Abbuchung über Gebühren für ein Gewinnspiel stattgefunden hat, sollten Sie unverzüglich zu Ihrer Bank gehen und diese Kontobelastung rückgängig machen. Sie können Ihre Bank damit beauftragen, die Abbuchung der Gewinnspielgebühr rückbuchen zu lassen. Jede Bank ist zu derartigen Rückbuchungen verpflichtet. Je schneller Sie zur Bank gehen, desto einfacher ist es für Sie, diese Rückbuchung in die Wege zu leiten. Sie sollten daher Ihre Kontoauszüge mindestens einmal im Monat kontrollieren.

 

Der Mitarbeiter bei der Bank kann die Kontobelastung entweder direkt und unkompliziert am Computer rückgängig machen oder Sie müssen für die Rüchholung der Lastschrift ein Formular ausfüllen. Manche Banken akzeptieren sogar eine telefonische Rückbuchung von Lastschriften bzw. eine Rückbuchung über den Online-Bankaccount.

 

Wenn aufgrund eines Gewinnspiels Geld von meinem Bankkonto abgebucht wurde, wie lange kann ich dann diese Abbuchung rückgängig machen?

 

Bei einer unberechtigten Abbuchung von Ihrem Konto haben Sie 13 Monate ab Kontobelastung Zeit, diese Abbuchung rückgängig zu machen. Wichtig ist, dass es sich um eine Lastschrift handelt, für die Sie dem abbuchenden Unternehmen oder der abbuchenden Person keine Genehmigung erteilt haben. Die Frist von 13 Monaten ist damit wesentlich länger als die allgemein genannte kurze Frist von lediglich acht Wochen und ermöglicht es, in der Regel einen Großteil des vom Bankkonto illegal abgebuchten Geldes wieder zurück zu holen.

 

Wie lange ist die Frist für Rückbuchungen bei berechtigten Kontobelastungen?

 

Sollten Sie einer Person oder einem Unternehmen die Erlaubnis erteilt haben, per Lastschrift bestimmte Geldbeträge von Ihrem Konto abbuchen zu dürfen, so handelt es sich um eine berechtigte Lastschrift bzw. genehmigte Lastschrift. Auch eine genehmigte Lastschrift kann rückgängig gemacht werden. Hier gilt eine Frist von acht Wochen ab Abbuchung vom Konto.

 

Was ist, wenn der Bankmitarbeiter sich weigert, Abbuchungen nach Ablauf der Frist von acht Wochen rückzubuchen?

 

Weigert sich der Bankmitarbeiter die Rückbuchung einer Lastschrift auszuführen, obwohl Sie hierzu das Recht haben, sollten Sie sich schriftlich per Einschreiben mit Rückschein an Ihre Bank wenden und diese auffordern, die Rückbuchung unverzüglich zu veranlassen. Setzen Sie im selben Schreiben eine Frist von 14 Tagen für die Rückbuchung und geben Sie gleichzeitig an, dass Sie nach Ablauf der Frist einen Rechtsanwalt einschalten werden. Verweisen Sie in Ihrem Schreiben auf die "Sonderbedingungen für den Lastschriftverkehr" und bitten Sie Ihre Bank, sich an diese verbindlichen Bedingungen zu halten. 

 

Kostenlose Erstanfrage

 

Haben Sie ein Problem im Bereich Gewinnspiele & Betrug, so können Sie mir eine kostenlose und unverbindliche Erstanfrage zukommen lassen. Ich überprüfe Ihren Fall, und teile Ihnen mit, ob ich helfen kann, und wie hoch die Gebühr hierfür wäre. Durch eine Erstanfrage entstehen keine Kosten. Weitere Informationen zur Erstanfrage finden Sie hier:

 

Kontakt Kanzlei Hollweck – Erstanfrage

 

Wichtige Informationen im Rahmen einer Erstanfrage:

 

Wenn Sie eine unverbindliche Erstanfrage an mich stellen, so bitte ich Sie um Beantwortung der folgenden Fragen. Diese erleichtern mir eine Beurteilung Ihres Anliegens.

 

  • Mit wem liegen Sie in Streit und seit wann?
  • Was genau ist passiert?
  • Falls eine unberechtigte Forderung eines Gewinnspielunternehmens gegen Sie geltend gemacht wird, wie hoch ist diese?
  • Haben Sie der Forderung bereits schriftlich widersprochen?
  • Haben Sie eine Mahnung erhalten?
  • Wurde ein Inkassobüro eingeschaltet?

 

Rechtsanwalt Thomas Hollweck

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